1920 bis 1949

Am 22. November 1920
wurde der "Katholische Gesellenverein Resse" gegründet.
Dieser Verein sollte zunächst allen jungen Männern offenstehen, soweit sie katholisch waren und den festen Willen hatten, ihr Christentum in der Welt durch Wort und Tat zu bezeugen.

Am 6. Januar 1921
feierte der Verein, dem inzwischen mehr als 80 Mitglieder beigetreten waren, sein Gründungs- bzw. Publikationsfest. Dem Vorstand gehörten an:
Präses:             Pfarrer Krogbeumker          
Senior:             Richard Beverungen          
Vorsitzender:     Bernhard Kessen          
Schriftführer:     Josef Bottermann          
Ordner:             Heinrich Dahm, Theodor Tiemann
 
Am 22.  November 1922
wurde auf einer außerordentlichen Generalversammlung der Beschluß gefaßt, daß der Verein als "reiner" Gesellenverein geführt werden sollte und ihm daher als Vollmitglieder nur junge Männer, die eine handwerkliche Lehre abgeschlossen hätten, angehören dürften. Seitdem ist der Verein offizielles Mitglied des Kolpingverbandes, und er führte auch nach einiger Zeit die Bezeichnung: Kolpingsfamilie Resse
 
1923
Wegen Arbeitslosigkeit sehen sich viele Kolpingsbrüder außerstande, ihre Mitgliedsbeiträge zu zahlen. Manche treten auch aus, so dass die Zahl der
Mitglieder schrumpft. Französische und belgische Truppen besetzen das Ruhrgebiet. Auch in Resse werden Einheiten der Besatzungsmächte stationiert. Sie beschlagnahmen die Kohlenvorräte auf der Schachtanlage Ewald ¾ und nehmen die gesamte Förderung unter ihre Kontrolle. Tag und Nacht rollen Waggons mit Kohle zum Wanner Hafen. Im Hause Ahornstraße 1 wird eine Kommandantur für einen hohen Offizier eingerichtet.
Ausgangssperren beeinträchtigen die Bewegungsfreiheit der Resser Bürger. Die Vereinsversammlung der Kolpingsbrüder am 17. Januar muß vorzeitig
abgebrochen werden "wegen Lästigkeit und Aufdringlichkeit der Franzosen, die sich während der Versammlung... im Vereinszimmer umhertrieben".
Die Inflation nimmt groteske Ausmaße an. Das Cassa-Buch der Resser Kolpingsfamilie verzeichnet am Ende des Jahres Beitragssummen in Höhe von 9,06 Billionen Mark.
 
1924
Es wieder aufwärts. Das hat auch positive Auswirkungen auf die Kolpingsfamilie Resse. Das Interesse am Vereinsleben, das vorübergehend stark abgeflaut war, nimmt wieder zu. 61 junge Männer gehören dem Verein an. Außerdem gibt es inzwischen 130 Ehrenmitglieder.
 
1925 bis 1933
Der Verein erlebt unter dem vielseitig begabten Kaplan Heinrich Franke die erste große Blütezeit seiner Geschichte. "Außer der Geselligkeit, die Franke persönlich sehr schätzte -Zunft- und Stiftungsfeste die Höhepunkte des jeweiligen Jahresprogramms -, förderte der Präses vor allem die Fortbildung seiner Gesellen. ... Der zukünftige Handwerksmeister und Kaufmann sollte so viel Allgemeinbildung haben, daß er imstande war, am gesellschaftlichen und öffentlichen Leben mitverantwortlich teilzunehmen. Die Themen < der Jahresversammlung> ... waren erstaunlich vielseitig und aktuell; das Angebot reichte von Referaten über Politik, Soziologie, Geschichte und Medizin (Sexualaufklärung) bis zu Rezitation literarischer Werke und zu <physikalischen> Experimentalvorführungen". Der Verein gründet eine Theatergruppe. Es werden Fahrten organisiert, z.b. nach Kopenhagen, Wien und Rom, Reiseziele, die vielen Menschen damals unerreichbar schienen.
Einzelne Kolpingsbrüder begeben sich auf "Wanderschaft", um sich "in der Fremde" in Betrieben ihres Fachs fortzubilden. Sie greifen damit eine vom
"Gesellenvater" Kolping begründete Tradition wieder auf. Das "Wanderbuch" des Schreiners Johann Goos, von dem sich eine Kopie im Archiv des Vereins befindet, dokumentiert auf anschauliche Weise eine solche Wanderschaft.

1929
Weltwirtschaftskrise! 1930 beginnt sich die Krise in Deutschland auszuwirken. Auch die Menschen in Resse bleiben von ihr nicht verschont. Von den 55 Gesellen der Kolpingsfamilie sind im Jahre 1930 nicht weniger als 24 arbeitslos.

1933
Die Nationalsozialisten gelangen an die Macht. Jugendverbände anderer Parteien sowie der Kirchen werden, sofern sie sich nicht "gleichschalten"
lassen, verboten. Die Ortsgruppe Resse der NSDAP überwacht und bespitzelt die Arbeit der Kolpingsfamilie. Bereits im Jahr der Machtübernahme nimmt sie sich das Recht heraus, die Durchführung von Veranstaltungen von ihrer Einwilligung abhängig zu machen. Der Senior muß der örtlichen NSDAP den Zweck, das Programm und die zu erwartende Teilnehmerzahl einer jeden Zusammenkunft melden und diese sich schriftlich genehmigen lassen. Der Vizepräses des Vereins, Josef Gosmann, wird von den Behörden mehrmals vorgeladen und schließlich für einige Tage in Haft genommen.
 
1937
Die Kolpingsfamilie Resse stellt im Februar dieses Jahres seine offizielle Arbeit ein. Es finden zwar in den folgenden Monaten vereinzelt Zusammenkünfte von Kolpingbrüdern statt, aber die Sitzungen werden nicht mehr protokolliert. Es existiert noch die Anwesenheitsliste der letzten Zusammenkunft vom 26. Oktober 1937; an ihr nahmen außer dem damaligen Präses Kaplan Große Kleimann die Kolpingbrüder H. und G. Nabbefeld, H. und
J. Kortmann, A. Kruse, J. Vöcking, J. Strunk und J.Wolf teil.

1939-1945
Der 2. Weltkrieg. Zahlreiche Geschäfte und Handwerksbetriebe müssen geschlossen werden, weil männliche Arbeitskräfte fehlen. In Unternehmen, die für die Versorgung der Streitkräfte als wichtig angesehen werden Tausende von Kriegsgefangenen beschäftigt. Die Gefangenen leben in Barackenlagern unter menschenunwürdigen Bedingungen Auch in Resse werden solche Lager eingerichtet. Im Resser Feld entsteht eine ausgedehnte Flak-Stellung. Mehr als ein Dutzend Geschütze treten in Aktion, wenn ein Flugzeug im Fokus der sich kreuzenden Scheinwerferstrahlen geortet wird.
Seit 1943 häufen sich die Luftangriffe, aber Resse bleibt verhältnismäßig verschont. Es fallen zwar einige hundert Bomben auf Resser Gelände, aber
die Schäden halten sich in Grenzen. Ende 1944 hat die deutsche Luftwaffe die Kontrolle über die Lage verloren. Auch das Warnsystem funktioniert nicht mehr. Jagdbomber tauchen ohne jede Vorwarnung plötzlich am Himmel auf und rasen im Tiefflug über Resse hinweg.
Schon seit 1943 sind die Schulen der Stadt Gelsenkirchen geschlossen bzw. in Gebiete "ausgelagert" worden, die vor Luftangriffen einigermaßen sicher sind. Viele Resser Kinder werden in Rahmen sogenannter KLV (Kinderlandverschickungs)- Maßnahmen von ihren Eltern getrennt. Andere ziehen zu Verwandten aufs Land, wo die Schulen - wie z.B. in Westerholt, Polsum oder Oer-Erkenschwick - geöffnet bleiben.
 
1946
Mit Genehmigung des Militärregierung konstituiert sich im Juli die Kolpingsfamilie Resse neu. Der Status des "reinen Gesellenvereins" wird aufgegeben. In Zukunft können junge Männer aller Berufsrichtungen dem Verein angehören, sofern sie 18 Jahre alt sind.
Senior:             Hermann Schwanewilms
Kassierer:         Hermann Runde
Schriftführer:    Theodor Schmies
Ordner:            Rudolf Kampermann
Das Vereinsleben nimmt einen starken Aufschwun, es werden 48 junge Männer neu in den Verein aufgenommen. 70% der Mitglieder besuchen die insgesamt 25 Versammlungen bzw. Vorträge. Die Themen der Vorträge sind aktuell und ziehen auch viele Nichtmitglieder an.
Die Gruppe Altkolping wird neubegründet. Den Vorsitz übernimmt der Malermeister Josef Gosmann.
Einmal im Monat ist Gemeinschaftkommunion der Kolpingsbrüder in der Herz-Jesu-Kirche. Am Schluß der Meßfeier erheben sich die Kolpingsbrüder von ihren Plätzen, um das Lied "Ein Gotteshaus steht zu Köln am Rhein...." anzustimmen.

1949
Vor 100 Jahren begann Adolf Kolping in der Kolumbaschule in Köln mit sieben Gesellen sein Werk.
Aus diesem Anlaß findet in Köln unter dem Leitwort "Friede-Gerechtigkeit-tätige Liebe" eine Jubiläumsfeier statt, an der mehr als 20 000 Kolpingsbrüder aus Deutschland und den angrenzenden Staaten teilnehmen. Auch die Kolpingsfamilie Resse ist mit einer starken Abordnung vertreten.
Unter dem Generalpräses Dr. Ridder (seit 1948) erlebt die Kolpingsfamilie durch Anknüpfung an bewährte Traditionen eine neue Blütezeit. Selbst das
Wandern lebt wieder auf. Im neuaufgelegten Wanderbuch heißt es: "Auf der Wanderschaft soll man lernen für den künftigen Lebensberuf. ... Das Wandern und Arbeiten in der Fremde soll die nächste und letzte Schule zu einem ordentlichen Meisterstande sein. Deshalb sammle vor allen Dingen in
der Fremde Geschäfts- und Menschenkenntnisse, damit diese als unverkäufliches Kapital dir einst gute Zinsen tragen." Auch Resser Kolpingssöhne begeben sich wieder auf die Wanderschaft.

Aktuelles

30.11.bis 02.12 Familienwochenende im Käthe-Strobel-Haus

06.12. 09:00 Uhr

Morgenimpuls

09.12. 08:30 Uhr Kolpinggedenktag

12.12. 20:00 Uhr
Geistlicher Vortrag

im Pfarrzentrum